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Unser Leben als Blog

Licht und Schatten der Fehmarnbeltquerung

lautet die Überschrift dieses Blogbeitrags und eines neuen Gutachtens über die Auswirkungen der festen Fehmarnbeltquerung auf den Tourismus in Ostholstein.

Dieses Gutachten geht von einem Baubeginn 2018 und keinerlei Verzögerung während der Bauphase aus. Unser Verkehrsminister hat jedoch ausdrücklich darum gebeten, bei diesem Bauprojekt nur die Fakten zu nennen. Und diese doch möglichst positiv. Denn Kommunikation sei der Schlüssel für die Zukunft unserer Region. Ok. Ich gebe alles. Meine Existenz steht schließlich auf dem Spiel.

Jetzt fällt mir tatsächlich nichts zum Thema Licht ein.

Außer unser schöner Sternenhimmel hier auf der Insel Fehmarn. Den man viel besser sehen kann, wenn es dunkel ist. Der nichts kostet, zu unseren wichtigsten Kulturgütern zählt und andernorts touristisch sogar als Sternenpark  genutzt wird. Andernorts.

Doch halten wir uns an die positiven Auswirkungen der dann wohl größten Baustelle Nordeuropas. Wie zum Beispiel die neuen Schienenersatzbusse, die uns exklusiv zur Verfügung gestellt werden sollen.

Liebe Bahnreisende,

wenn die Fehmarnbeltquerung fertig ist, müßt Ihr keine Verspätungen mehr, kaputte Klimaanlagen oder nervige Sitznachbarn in Kauf nehmen, um unsere Insel zu erreichen. Der ICE hält dann nämlich nicht mehr auf Fehmarn. Daran gewöhnen sollen wir uns während der Bauphase. Für 4 Jahre soll gar kein Zug mehr unsere Insel anfahren. Macht Euch aber bitte keine Sorgen, das Marketing wird es richten. Immerhin leben wir hier im selbsternannten Glückswachstumsgebiet. Und die Schienenersatzbusse, die für diesen Zeitraum eingesetzt werden sollen, finde ich eine grandiose Idee.

Eine Fahrt im Schienenersatzbus über die Fehmarnsundbrücke. Das ist doch eine durchaus positive Nachricht. Im Volksmund der Kleiderbügel, bei Straßenplanern liebevoll der Flaschenhals genannt. Das Wahrzeichen Schleswig Holsteins.

Jeder ist fasziniert von dieser Brücke, von der blau glitzernden Ostsee, den weißen Segelbooten und den rostigen Tragseilen. Vielleicht hatte ich mich zu schnell mit dem Gedanken abgefunden, dass dieses denkmalgeschützte Bauwerk im Zuge der festen Fehmarnbeltquerung abgerissen würde. Doch nun wird die Fehmarnsundbrücke saniert. So Gott will ab 2018. Und überschneidet sich mit dem Zeitraum, indem auch der Bahnverkehr eingestellt werden soll. Der Flaschenhals bekommt also zusätzlich einen Korken. Habe ich Euch schon einmal erzählt, wie sehr ich Chaos liebe?

Gleichzeitig verlängert sich die Reisezeit mit dem ICE von Süd nach Nord – also  nach Kopenhagen – in diesen 4 Jahren um lediglich 30 Minuten. Sagt unser Verkehrsminister. Die Frage, die sich mir nun stellt ist:

Ab wo genau?

Statt von Puttgarden wie gewohnt den direkten Weg im ICE über den Belt nach Kopenhagen zu nehmen, lernt der Ostholsteiner auf diese Art endlich auch den Rest von Schleswig-Holstein kennen. Und gleich noch Flensburg, Jütland und sogar den Hamburger Hauptbahnhof. Das muss man einem Verkehrsminister erst einmal nachmachen.

Ich will mich aber gar nicht lange mit den Auswirkungen einer Megabaustelle aufhalten, die nur knapp 10 Jahre dauern soll, unsere Ostsee umpflügt und unsere kleine Insel noch dazu. Wer konsumiert, muss aushalten können. Notfalls auch Güterzüge im Minutentakt. Schauen wir doch einfach positiv in die Zukunft, die Fertigstellung und auf Seite 3 des Gutachtens.

Bei den Übernachtungsreisen …. sieht  man das größte Wachstumspotential bei den Kurz- und Tagesreisen.

Da muss ich jetzt erst einmal drüber nachdenken und lese lieber gleich das Fazit auf Seite 4 in dem steht:

Von der festen Fehmarnbeltquerung allein wird für die Ostsee Schleswig-Holstein keine touristische Revolution ausgehen.

Na das ist mal ein Wort. Fakt!

Und wer nicht nur über die Auswirkungen, sondern auch ein bißchen was über Kommunikation lernen möchte, kann eine Kurzfassung des aktuellen Gutachtens hier runterladen:

www.ostsee-schleswig-holstein.de/fehmarnbelt.html

P.S. Es gibt auch Chancen!

Während der Bauphase (einer Unterwasserbaustelle und zwei Gleisen immer geradeaus) verspricht  man sich steigende Gästezahlen durch Baustellentourismus. Inklusive Lärm- und Landschaftsbildbeeinträchtigungen. Und bevor ich gleich weinen muß, mache ich nun lieber Schluss für heute.

Peace. Fehmarn Living.