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Fehmarn Living

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Unser Leben als Blog

Muß nur noch kurz den Belt retten…

Ehrensache und Herzensangelegenheit: darum bin ich Beltretter!

Der Plan war gut, der Plan war an der Zeit. Der Plan lautete: wir kaufen ein Domizil auf der Insel Fehmarn. Einsam und am Strand. Für unsere zwei Pferde suchen wir einen schönen Stall, bleiben von tierischen Pflichten unabhängig, ziehen aus der Hektik der Stadt inmitten ins nichts und lassen die Welt einfach draußen. Nie im Leben hätte ich damals geglaubt, eines Tages Beltretter zu sein.

Bye bye, immer höher. Adieu, immer schneller. Hauptsache Ruhe!

Wir fanden dann nach sehr langer Suche endlich einen kleinen Resthof, mitten im kleinen Ort Presen. Genauer gesagt: dieser Hof ist die Mitte vom Ort. Und er war in einem sehr maroden Zustand. Aber es sind nur 400 Meter zum Naturstrand, es ist ruhig und gut gelegen. Presen hat zudem eine intakte, generationsreiche Dorfgemeinschaft.

Kurzum: hier ist die Welt noch in Ordnung und außerdem hatten wir mittlerweile vier Pferde im Gepäck. Das Leben ist ein Ponyhof und Dinge geschehen. Manchmal einfach so. Pläne ändern sich, so ist das Leben. Das ändert sich auch.

Seit 6 Jahren sanieren wir nun den Hof mit Haus und Scheune. Ich kann keine Baustellen mehr sehen, leben wir doch irgendwie permanent auf einer. Seit 4 Jahren kann man im komplett renovierten Landhaus, erbaut bereits 1901, unsere exklusiven Ferienwohnungen buchen. In der Scheune befindet sich inzwischen unsere neue Wohnung Gold, unser Kiosk und ein Saunabereich. Wenn ich nicht gerade Unmengen an Bettwäsche wasche, arbeite ich zum Beispiel an unserer Internetseite und schreibe diesen Blog, um dem digitalen Anspruch der Zeit noch ein paar Jahre gewachsen zu sein. Welcome back to the Hamsterrad. Man weiß ja nie, welche Überraschungen das Leben noch so bereit hält. Vielleicht einen irrwitzigen Tunnel durch die Ostsee? Lärm und Dreck durch überdimensionierte Industrieareale? Jetzt, wo ich hier gerade fast fertig bin?

Moment mal! So war das nun wirklich nicht geplant.

Aus die Maus – bald ist mit der Ruhe Schluss! Und mit dem Sternenhimmel auch.

Das mit dem Tunnel, das habe ich erstmal nur am Rande mitbekommen. Interessiert einen ja nicht weiter, wenn so ein Ding da am Ostseestrand landet und zwei Kilometer von Dir entfernt eine Autobahn entsteht. Zumal der Tunnel ja erst eine beeindruckende Brücke werden sollte. Ein neues Wahrzeichen? Klasse! Ach schön, kommt ne Ausfahrt. Prima. Bin ich schneller in Hamburg und im Flieger zum Mittelmeer. Man hört nur das, was man hören will. Oder soll.

Wenn man verstehen möchte, warum ich diese Insel nach nur 6 Jahren nie mehr verlassen möchte und warum ich plötzlich Beltretter bin, muß man die Strecke anders herum fahren. Von Hamburg nach Fehmarn. Und spüren, wie der Stress der Stadt von einem abfällt, sobald man ab Heiligenhafen die Autobahn verläßt. Über die Sundbrücke auf unsere Insel fährt – womöglich der Raps blüht, aber zumindest doch fast immer die Sonne scheint und die Segelboote friedlich im klaren Wasser schippern. Was will ich eigentlich am Mittelmeer?

Inmitten dieser Idylle bekam ich letztes Jahr zum Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk aus der Nachbarschaft, in Form einer email:

15 Hektar großes Industrieareal zwischen Marienleuchte und Presen im Zuge der festen Fehmarnbeltquerung geplant. Bewahrt Fehmarn – jeder kann mitmachen.

Das ist ja genau bei mir vor der Haustür! Die spinnen wohl! 70 Dezibel? Und nachts mit Licht? Willkommen zurück in der Realität. Natürlich mache ich mit!

Das besondere an den folgenden Monaten Bewahrt Fehmarn war, daß jeder von uns einfach gemacht hat. Wie er wollte – wie er konnte. Wir haben ja oft selbst nicht gewußt, was als nächstes passiert oder wer wir eigentlich sind. Und der Vorwurf, wir wären nicht Bewahrt Fehmarn, sondern Bewahrt Marienleuchte, war auch nicht ganz grundlos. Selbst mir wurde erst im Laufe der Zeit wirklich klar, wie sehr unsere gesamte Insel bedroht ist. Und dass das geplante Industrieareal nur ein Vorbote war. Kaum hatten wir den Bürgerentscheid mit ca. 65% der Stimmen gewonnen, erfuhren wir, daß bereits die nächsten Areale in Planung waren. Unter anderem von zwei Stadtvertretern.

Was soll man dazu noch sagen?

Zum Beispiel: Wir bündeln die Initiativen, Vereine, Gemeinden und andere Organisationen, die ebenfalls betroffen und gegen die feste Fehmarnbeltquerung – der Wurzel allen Übels – sind. Nennen uns die Beltretter und setzen einfach mal ein Zeichen! Wie wäre es mit einem blauen Kreuz? Einem himmelblauen Kreuz!

Beltretter sind Bewahrer der Ostsee!

Die soll nämlich aufgerissen werden am Meeresboden über fast 20km Länge und 200 Meter Breite, mitten durch ein Naturschutzgebiet. Könnt Ihr Euch vorstellen, was da an Schlamm und Sand aufgewirbelt wird? Und was für ein Lärm dann da ist, wo wir Menschen und Schweinswale friedlich miteinander leben! Doch damit nicht genug. An Land wird der Tunnel als Autobahn unsere Insel zerschneiden und einmal komplett auf links drehen. Spätestens an der denkmalgeschützten Sundbrücke stellt sich dann die Frage: Abreißen? Das Wahrzeichen der Insel! Den Westen Fehmarns auch noch mal 6 Jahre umkrempeln und werden es drei neue Brücken oder vielleicht auch ein Tunnel durch den Sund ? Alles für den Güterverkehr. Fast ein Kilometer lange Güterzüge im Minutentakt. Wo bleiben die Pendler und der Personenverkehr? Auf der Strecke natürlich. Wie auch die Ruhe, die Erholung, die Erreichbarkeit und unsere Existenz als Urlaubsinsel mit Lebenswert.

Doch nicht nur unsere Insel ist betroffen. Eine zweigleisige Gütertrasse mitten (!) durch die schönsten Urlaubsorte Ostholsteins – teilweise direkt am Strand entlang – würde die gesamte Region unumkehrbar zerstören. Und das, obwohl gerade in den letzten Jahren der Tourismus deutlich zugenommen hat. Viele Menschen haben sich hier neue Existenzen aufgebaut. Oder leben schon seit vielen Generationen in der Region . Menschen aus allen Himmelsrichtungen suchen in unseren Urlaubsorten die Ruhe und Erholung, die sie in den Städten kaum noch finden können. Auch darum bin ich Beltretter.

Bewahrt Fehmarn ist nicht nur ein Begriff. Es ist ein ganzer Satz. Es ist eine Bitte.

Fehmarn und Ostholsteins Orte sind geprägt von den Menschen, die meist doch irgendwie vom Tourismus leben. Der Einzelhandel, das Handwerk, die Gastronomie, die Ferienvermieter wie ich. Eine Gütertrasse quer durch all diese Ortschaften, würde die Region stark verändern und den Lebenswert einschränken. Mal abgesehen von der durch Baggerarbeiten über Jahre trüben Ostsee mit unkalkulierbaren Risiken. Der echte Norden liegt im echten Ostholstein. Wo unsere zahlreichen Gäste noch auf echte Menschen, Landwirtschaft auf besten Böden und eine reiche Natur- und Tierwelt treffen.

Ruhe und Dunkelheit sind seltene Rohstoffe geworden.

Jetzt im November ist es bei uns so leise, daß man die Ruhe tatsächlich hören kann. Und wenn es draußen dunkel ist, dann ist es so dunkel, daß man einen wunderbaren Sternenhimmel sehen kann. Wo gibt es so etwas noch in unserem Land? Auf Fehmarn. Einer authentischen Insel mit alten Strukturen, die so schlecht manchmal gar nicht sind. Hier wird noch geschlachtet und gebacken, geputzt und gezimmert. Hier legt jedes Huhn noch ein Ei und Sonntags auch mal zwei.

Auf Fehmarn ist man dichter dran am Leben. Es wundert mich nicht, daß man andernorts permanent Erfüllung in Limonaden mit Basilikum und esoterischen Erklärungen sucht. Auf Fehmarn ist es der Mix, der es macht. Aus der Nähe zu den leuchtenden Großstädten Hamburg, Berlin, Kopenhagen und den dunklen und sternklaren Nächten auf der Insel. Noch kann ich jederzeit in Puttgarden in den ICE steigen. Und auch wieder aus. Bis der Tunnel kommt.

Ich bin mir sicher, daß wir die FFBQ nicht verhindern werden, wenn wir nichts tun. Alleine darum bin ich Beltretter. Eigentlich will man das alles gar nicht wissen, wie das da so über uns hinweggefegt werden soll. Aber wegschauen und damit kampflos andere bestimmen lassen, wie unser Leben hier in Zukunft aussieht? Der Tunnel betrifft uns direkt und persönlich. Uns alle in der gesamten Region. Und meinen Lebenstraum vom Glück betrifft diese Umweltsünde definitiv ganz direkt und ich nehme die feste Fehmarnbeltquerung sehr persönlich. Sie gefährdet auch meine Existenz.

Trotzdem plane ich jetzt frohen Mutes weiter an der Orangerie in der Scheune. Damit unsere Gäste bald einen schönen Zugang zur Sauna und dem Garten haben. Und hier weiterhin einen ganz besonderen Ort der Ruhe finden. Wir leben gerne hier. Und haben die Insel fest in unser Herz geschlossen. Jetzt müssen wir nur noch kurz den Belt retten.

Pläne ändern sich. Und wer hätte vor einem Jahr noch gedacht, daß sich nun erst einmal die Pläne der Tunnelbauer ändern werden. Denen man ohne den unermüdlichen Einsatz der vielen Initiativen, die sich nun als Beltretter zusammengetan haben, womöglich ihre mangelhaften Umwelt- und Sicherheitsuntersuchungen einfach so durchgewunken hätte.

Helft uns, diesen Ort zu bewahren. Besucht Fehmarn und/oder unterstützt uns als Beltretter.  Alle Informationen und aktuelle Entwicklungen findet Ihr hier: www.beltretter.de

Jeder kann mitmachen, wir sind kein Verein. Wir sind einfach nur Beltretter.

Living is free – entdecke den Sternenhimmel

In einer Kleinanzeige fanden wir 2009 diesen Hof von 1901. Zerfallen, ungepflegt und mitten im kleinen, sehr reizenden Dorf Presen gelegen. Nur 400 Meter von der Ostsee entfernt, ca. 5 km nordöstlich der Inselhauptstadt Burg. 6 Jahre haben wir nun unser Domizil  Presen 12 saniert und renoviert. Entstanden sind vier exklusive Ferienwohnungen, ein kleiner Kiosk mit Terrasse und Garten. Sauna und Dampfbad stehen ebenfalls zur Verfügung und unsere Gäste erwartet eine hochwertige, mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Location, die seinesgleichen sucht.

Wir lieben das Leben auf einer Insel, wir lieben Deutschland und wir lieben die Sonne. Wir brauchen den Wind und das Wasser. Wir brauchen die Nähe zur Großstadt. Hier auf der Insel Fehmarn haben wir die Ruhe und die Gesellschaft, den weiten Horizont mit traumhaften  Sonnenaufgängen und  Sonnenuntergängen. Den Wechsel der Jahreszeiten in all seinen Facetten und die Lebendigkeit der Natur. Komm nach Fehmarn, entdecke Dich selbst und einen sagenhaften Sternenhimmel. Mehr….